WissenschaftsgeschichteDie Jagd nach Salpeter

Einst war Salpeter hart umkämpft. Schließlich war es ein wichtiger Bestandteil von Schwarzpulver. Es gibt jedoch nur wenig natürliche Vorkommen. So musste sich der Berufszweig der Salpetersiederer etwas einfallen lassen um an den begehrten Rohstoff zu kommen – egal zu welchem Preis.

Salpeter in Blumendünger

Ausgefälltes Kalisalpeter in Blumendünger. Foto: © Wilfried Probst

|

Der Begriff Salpeter, stammt wahrscheinlich von dem mittellateinischen „sal petrae“, zu Deutsch „Salz des Steins“. Er umfasst verschiedene Salze der Salpetersäure. In der Natur ist Salpeter selten. Als Bestandteil des Schwarzpulvers gewann Kalisalpeter jedoch ab dem 15. Jahrhundert große Bedeutung. 

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Aufgrund der wenigen natürlichen Vorkommen, musste Salpeter in der Regel produziert werden. Das übernahmen die Salpetersieder. Sie stellten Kalisalpeter aus kalkhaltigen Böden oder Gesteinen, stickstoffhaltigen Tierexkrementen und Urin her. Durch das Abschaben von Latrinenwänden oder Stallmauern gewannen sie zudem Mauersalpeter (Calciumnitrat), welches sie anschließend mit Pottasche auskochten. Übrig blieb eine Lösung von Kalisalpeter, der für die Herstellung von Pulver gut geeignet war.

Salpeter um jeden Preis

Manche Salpetersieder gewannen den Salpeter in sogenannten Salpetergärten und Salpetergruben. In diesen setzten sie organische Abfälle und Kalk dem Luftsauerstoff aus. Dabei war ihre Vorgehensweise nicht zimperlich. So wurden unter anderem Massengräber auf historischen Schlachtfeldern für die Gewinnung von Salpeter herangezogen.

Genehmigter Hausfriedensbruch

Wegen ihres skrupellosen Vorgehens waren die Salpetersieder nicht besonders beliebt. Mit der Vollmacht der Landesherren ausgestattet, konnten sie die Gehöfte und Stallungen der Bauern jedoch ziemlich uneingeschränkt nach Salpeterquellen durchsuchen. In Preußen, dessen Schießpulverbedarf unter Friedrich II besonders groß war, wurde es den Bauern sogar untersagt, Mist zum Düngen ihrer Felder einzusetzen. Er musste für die Salpetergewinnung bereitstehen.

Wenn Salpeter einen Krieg auslöst

Um 1810 wurden große Naturvorkommen von Natronsalpeter („Chilesalpeter“) in der Atacamawüste im nördlichen Chile und den angrenzenden Gebieten von Bolivien und Peru entdeckt. Durch den hohen Bedarf aus Europa gewannen die Lagerstätten der Atacama bald an wirtschaftlicher Bedeutung. Streitigkeiten über die Nutzung des „weiße Goldes“ führte von 1879 bis 1884 zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Chile, Bolivien und Peru, heute als Salpeterkrieg bekannt. Im Laufe der Zeit wurden die Lagerstätten allerdings still gelegt und sind heute verlassene Geisterstädte. Aufgrund ihrer wirtschaftshistorischen Bedeutung hat sie die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Fachnewsletter Unterricht Chemie

Exklusive Goodies  Unterrichtskonzepte
Neues vom Fach  Jederzeit kostenlos kündbar