1. – 13. Schuljahr

Jürgen Menthe, Andreas Nehring und Markus Rehm

Erfolgreich kommunizieren und verstehen im Chemieunterricht

Kommunikation ist allgegenwärtig und prägt jede zwischenmenschliche Interaktion im Alltag, in der Schule und im wissenschaftlichen Diskurs. Auf Kongressen und in wissenschaftlichen Journalen werden aktuelle Forschungsergebnisse, neue Produktionsverfahren sowie Chancen und Risiken technischer Innovationen auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Diskussion gestellt. Einer auf Verständlichkeit und Akzeptanz abzielenden Wissenschaftskommunikation kommt dabei in Zeiten zunehmender Skepsis gegenüber wissenschaftlicher Expertise, etwa bezüglich der Ursachen des Klimawandels, dem Nutzen von Impfungen oder der Einschätzung von Grenzwerten (Stickstoffoxide, Feinstaub), eine zentrale Rolle zu.
In den Bildungsstandards für das Fach Chemie wurde dem adressaten- und sachgerechten Kommunizieren ein eigener Kompetenzbereich gewidmet, sodass fachspezifisches Kommunizieren nicht nur Methode, sondern auch Inhalt und Ziel des Chemieunterrichts ist. In diesem Artikel zeigen wir auf, was unter „erfolgreichem Kommunizieren und Verstehen im Chemieunterricht verstanden werden kann und welche Rolle Kommunikation über die üblicherweise betrachtete Fachsprache hinaus spielt.
Kommunikationsmodelle für den Chemieunterricht
Das Kommunikationsquadrat
Das Kommunikationsquadrat wurde von Friedemann Schulz von Thun [1] entwickelt und ist auch als „Vier-Ohren-Modell oder „Nachrichtenquadrat bekannt. Es postuliert, dass Botschaften auf unterschiedlichen Ebenen gesendet bzw. empfangen werden (vgl. Kasten1), wobei die Absicht, die ein Sprecher oder eine Sprecherin („Sender) kommunizieren möchte, von dem Empfänger oder der Empfängerin nicht immer so verstanden wird, wie es der „Sender beabsichtigte.
Information 1: Vier Ebenen von Kommunikation
Information 1: Vier Ebenen von Kommunikation
Sachebene: Auf der Sachebene einer Botschaft sind Fakten und Informationen angesiedelt (sachlicher Informa-tionsaustausch, Fachinhalte, Beschreibungen).
Appellebene: Kommunikation vermittelt stets auch Ziele, also Handlungen oder Haltungen, zu denen der oder die Hörende bewegt werden soll. Der oder die Hörende kann diese Botschaft aufnehmen, abweisen oder eine kommunizierte Nachricht auf der Appellebene interpretieren, ohne dass ein solcher Apell beabsichtigt war. Das laute und deutliche Aussprechen des Namens eines Schülers oder einer Schülerin kann sowohl eine Aufforderung, etwas zum Unterricht beizutragen als auch eine Ermahnung zum Schweigen sein.
Ebene der Selbstkundgabe: Jede Botschaft vermittelt auch etwas über uns darüber, wie wir wahrgenommen werden möchten. So kann der oder die Hörende Gefühle (Freude oder Ärger), Wünsche (zum Beispiel: Ich möchte respektiert werden.) wahrnehmen. Die Schülerinnen und Schüler geben Informationen über ihr Interesse am Thema, ihre Einstellungen oder ihr Wissen in die Kommunikation.
Beziehungsebene: Jede Botschaft enthält auch Hinweise auf die Beziehung zwischen Sender und Empfänger: Redende und Hörende transportieren z.B. Wertschätzung, Kritik, Zu- oder Abneigung. Meist unterstützt der Sender die Beziehungsebene durch nonverbale Gesten wie eine gerunzelte Stirn, ein Lächeln oder eine Geste. Gerade diese Ebene ist anfällig für Störungen: Der oder die Hörende kann die Botschaft abweichend interpretieren.
Auch in der unterrichtlichen Kommunikation sind stets alle vier Kommunikationsebenen (s. Abb.1 ) präsent. Die im fachdidaktischen Diskurs mitunter anzutreffende Reduktion auf die Sachebene das „WAS der Kommunikation kann auf diese Weise kritisch reflektiert werden: Kommunizieren ist nicht nur eine „Übermittlung von Inhalten, das „WIE der Kommunikation ist immer auch Teil und Inhalt jeder Botschaft. Dabei beeinflusst der Empfänger (z.B. eine Schülerin oder ein Schüler) auch den Sender (z.B. die Lehrperson oder andere Lernende). Kommunikation (im „face to face-Modus...

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