9. – 11. Schuljahr

Jürgen Menthe und Sybille Hüfner

Information Literacy

Pseudowissenschaft und digitale (Des-)Information bei den Themen „Klimawandel, „Clean Coal und „Stickoxidgrenzwerte

Kommunikation und Informationsaustausch finden in der heutigen Zeit vor allem auf digitalem Weg statt. Außerhalb des Nahbereichs direkten zwischenmenschlichen Austauschs kommunizieren wir und noch mehr unsere Schülerinnen und Schüler meist via Smartphone, Laptop oder Tablet. Nachrichten und Sachinformationen werden dabei durch die jeweils benutzten Kanäle und Oberflächen (Youtube, Facebook, Whatsapp, Instagram, Snapchat) sowie in Abhängigkeit der eigenen sozialen Netzwerke und Peers („Filter Bubbles, gefilterte Information) auf uns zugeschnitten. Dabei ist dem Nutzenden in der Regel nicht klar, auf welchen Algorithmen diese Auswahl beruht. Neben der Intransparenz der Nachrichtenauswahl besteht ein Problem der Informationsaufnahme aus dieser Art sozialer Netzwerke von Gleichgesinnten darin, dass uns hauptsächlich solche Informationen erreichen, die uns in unserer vorhandenen Meinung bestärken (Confirmation Bias).
Ein weiteres Phänomen, das im Zuge der Digitalisierung an Bedeutung gewonnen hat, ist der (gezielte) Einsatz von Falschnachrichten und pseudowissenschaftlichen Studien und Veröffentlichungen, um Menschen von bestimmten Positionen zu überzeugen. Im wissenschaftlichen Kontext ist das prominenteste Beispiel eine hochrangig veröffentlichte, mittlerweile aber klar widerlegte Studie, die einen Zusammenhang zwischen Impfungen und der Ausbildung einer Autismusspektrumsstörung unterstellt. In Wissenschaftskreisen widerlegt, kursiert sie dessen ungeachtet bis heute im Internet. Die mediale Diskussion um „saubere Kohle oder den Dieselskandal wird in ähnlicher Weise unsachlich geführt, gefühltes Wissen obsiegt über rational fundierte Wissenschaft. Die sich daraus ergebenden politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen sind folglich nicht auf den Bereich der politischen Bildung beschränkt. Sie stehen in engem Zusammenhang mit naturwissenschaftlichem Verständnis und müssen in einem zeitgemäßen Chemieunterricht, der die Fähigkeit, Informationen zu recherchieren, zu bewerten und einzuordnen (Information Literacy) beinhaltet, adressiert werden.
Ein Blick zurück nach vorn
Im Basisartikel kommen die Autoren zu der Einschätzung, dass die Bildungsstandards aus dem Jahr 2004 so offen formuliert seien, dass sie auch Aspekte digitaler Kommunikation umfassen könnten. Angesichts der in der Einleitung aufgeworfenen Problemlage stellt sich jedoch die Frage, ob spezifischere Kompetenzstandards, wie sie die KMK etwa in dem Strategiepapier „Bildung in der digitalen Welt [1] veröffentlicht hat, den o.g. Herausforderungen nicht besser gerecht würden. In Kasten1 sind einige Kompetenzen aus dem Papier zusammengestellt, die den Umgang von Schülerinnen und Schülern mit digitalen Informationen betreffen. Es ist unmittelbar erkennbar, dass diese Kompetenzen fachspezifisch ausgelegt werden müssen. So ist z.B. die Kompetenz, „Interessengeleitete Setzung, Verbreitung und Dominanz von Themen in digitalen Umgebungen erkennen und beurteilen eng verbunden mit dem Thema Wissenschaftskommunikation und eignet sich zudem, die Verflechtung von Wissenschaft und Gesellschaft zu erarbeiten. Ein Beispiel dafür ist der Klimawandel.
Information 1: Ausgewählte Kompetenzbereiche „Bildung in der digitalen Welt
Information 1: Ausgewählte Kompetenzbereiche „Bildung in der digitalen Welt
1. Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren
1.1. Suchen und Filtern ()
1.1.4. Relevante Quellen identifizieren und zusammenführen
1.2. Auswerten und Bewerten
1.2.1. Informationen und Daten analysieren, interpretieren und kritisch bewerten
1.2.2. Informationsquellen analysieren und kritisch bewerten
2. Kommunizieren und Kooperieren
2.1. Interagieren
2.1.1. Mit Hilfe verschiedener digitaler Kommunikationsmöglichkeiten kommunizieren
2.1.2. Digitale Kommunikationsmöglichkeiten...

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