5. – 13. Schuljahr

Jan Wickhorst

Mit Erklärvideos zum Schalenmodell

Schülerinnen und Schüler erstellen mittels einfacher Lege-SchiebeTechnik selbst Erklärvideos zum Atommodell

Derzeit erleben Kinder und Jugendliche einen hohen Anteil ihrer Zeit und einen Großteil der interpersonalen Kommunikation digital. Dabei nimmt insbesondere die Videoplattform Youtube einen hohen Stellenwert in der Lebenswert der Schülerinnen und Schüler ein. Sie ist einer repräsentativen Umfrage des Rats für kulturelle Bildung zur Folge mit 86% der befragten Schülerinnen und Schüler eines der digitalen Leitmedien [1, 8]. Interessant an dieser Entwicklung und für alle Eltern und Lehrer womöglich zumindest etwas beruhigend  – scheint dabei, dass die Hälfte der Youtube-nutzenden Schülerinnen und Schüler diese Plattform konsultieren, um selbstständig Erklärvideos für das schulische Lernen heranzuziehen [2, 27ff.]. Während Kritiker des Schulsystems konstatieren, dass das Lernen nun nicht mehr im Unterricht, sondern „auf Youtube stattfindet, geben die Lernenden vermehrt an, dass sie die Angebote sehr wohl nur ergänzend zum schulischen Unterricht verstehen und die geschauten Clips in einem hohen Maß anregend sind, selbst künstlerisch aktiv zu werden [1, 7].
Guten Erklärvideos, die sich zuhauf im Internet finden lassen (ganz konkret sind bei Schülerinnen und Schülern beispielsweise die Videos von „The SimpleClub hoch im Kurs), gelingt es dabei, auch verhältnismäßig komplexe Themengebiete (Orbitalmodell, Hybridorbitale u.Ä.) mittels einfacher Worte und Veranschaulichungen innerhalb weniger Minuten zu erklären. Weitere Vorteile, die sich für die Lernenden ergeben, sind das mehrfache Anschauen und die damit verbundene Möglichkeit der Bestimmung des eigenen Lerntempos, wodurch eine Individualisierung im Lernen ermöglicht wird.
Bei allen positiven Seiten sollte jedoch aus fachdidaktischer Sicht nicht aus dem Blick verloren werden, dass zahlreiche dieser Videos derart starke Vereinfachungen vornehmen, dass der Inhalt verfälscht wird.
Ein rezeptives Schauen der Videos kann ein guter Einstieg, eine sinnvolle, kritische Ergänzung oder eine gute Abrundung eines Themas sein. Es sollte jedoch berücksichtigt werden, dass das Ansehen der Filme mit konkreter Instruktion (Leitfrage) einen größeren Lerneffekt evozieren kann, als vergleichsweise das bloße Schauen. Manche der Produzenten bitten sogar explizit darum, dass Lehrkräfte die Videos nicht in ihrem Unterricht einsetzen, sondern mit anderen Inputs arbeiten, sodass den Schülerinnen und Schülern privat die Möglichkeit bleibt, Sachverhalte nochmals mittels externer Hilfestellung zu wiederholen oder zu vertiefen [2].
Zielsetzung
In der hier beschriebenen Unterrichtseinheit soll es um einen produktiven Umgang mit dem Videoformat gehen. Durch das eigenständige Konstruieren eines zuvor abgesprochenen Themas wird eine deutlich vertiefte Beschäftigung mit den Lerninhalten evoziert als dies bei einem Schauen der Videos der Fall wäre. Aufgrund dieser intensiven, selbstständigen Beschäftigung der Schülerinnen und Schüler mit einem Thema sowie dessen Reduktion und Abstraktion auf das Wesentliche können Lernerträge verbessert werden. Sie werden kognitiv tiefer durchdrungen als dies beim rein rezeptiven Gebrauch der Fall wäre.
Im Hinblick auf den Kommunikationsaspekt lässt sich außerdem festhalten, dass mit dieser Methode das fachlich zusammenhängende und fachsprachlich adäquate Formulieren als prozessbezogene Kompetenz gefördert wird. Mit der Arbeit an Erklärvideos lässt sich eine höhere Schülerbeteiligung (fachliche „Sprachaktivität) als im herkömmlichen Unterricht erreichen, es wird das Denken und Verbalisieren in komplexeren Zusammenhängen, wie z.B. den Atommodellen gefördert und schließlich stellt das Vorgehen eine gute Möglichkeit dar, dies mit aktuellen digitalen Medien umzusetzen. Auch muss bedacht werden, an wen sich die Videos richten und somit kann ein adressatengerechtes Kommunizieren erzeugt...

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