7. – 12. Schuljahr

Nadja Belova, Johanna Dittmar, Ralf Marks und Ingo Eilks

Wie kommunizieren Medien Chemie?

Über die Kommunikation chemiebezogener Information in konventionellen und neuen Medien lernen

Viele Medien kommunizieren chemische Inhalte, häufig allerdings nur indirekt und weniger aus der Chemie an sich als aus den anderen Naturwissenschaften [1]. Wenn es allerdings um Fragen von Umwelt, Technik, Gesundheit, Kosmetik oder Haushalt geht, wird auch über Chemie berichtet. Aber wie gelangen chemiebezogene Informationen in die Medien und was muss man über diese Form der Kommunikation wissen?
Neben der Reflektion der dargelegten Informationen aus einer fachlichen Perspektive eröffnet auch die Reflektion über das Zustandekommen und die Darstellung naturwissenschaftlich-technischer Informationen Möglichkeiten, den Chemieunterricht authentisch und relevant zu machen.
Die Idee der gefilterten Information
Jenseits des Chemieunterrichts werden uns chemiebezogene Informa-tionen in erster Linie über die Medien zugetragen. Die entsprechenden Medieninhalte werden dazu von Autoren erstellt. Dabei wählen in traditionellen Medien Journalisten die Informationen zu einem für einen Bericht als wertvoll angesehenen Thema aus. Sie bedienen sich unterschiedlicher Quellen, die nicht in jedem Fall für die Medienkonsumenten erkennbar sind. Sie verbinden diese Informationen mit ihrem Vorwissen und oft auch mit eigenen Meinungen oder gesellschaftlichen und politischen Sichtweisen. Sie stellen die Informationen inhaltlich und sprachlich mit einem Blick auf die anvisierte Zielgruppe dar und vereinfachen häufig, damit die Informationen für ein Laienpublikum verständlich bleiben. Sie filtern die Informationen und „färben diese ein, bewusst oder unbewusst. So kommt es nicht selten vor, dass ein und dieselbe Information in verschiedenen Medien zu ganz unterschiedlichen Darstellungen führt.
Alle Informationen, die uns über Medien zugetragen werden, sind in dieser Form gefiltert. Dabei ist der Hintergrund, vor dem die Journalistin bzw. der Journalist die Information darstellt, nicht immer nachvollziehbar. Gerade in Alltagsmedien, etwa Tageszeitungen oder Nachrichtenportalen im Internet, sind die Kommunikatoren der Inhalte häufig keine ausgebildeten Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler und entsprechende Beiträge werden, anders als in wissenschaftlichen Publikationen, nur in wenigen Fällen von Experten geprüft. Dieses Vorgehen trifft für soziale Medien, in denen jede Nutzerin/jeder Nutzer Beiträge verfassen kann, in noch viel größerem Maße zu. Über Kommentare, Bewertungen oder sogenannte Likes kann dort auf Beiträge und deren empfundene Qualität reagiert werden, was i.d.R. auch für Nachrichtenmeldungen im Internet gilt. Solche Kommentare, Bewertungen und Likes basieren nicht immer auf hinreichenden Kenntnissen.
Beim Lernen über gefilterte Informationen [2], wie im gesellschaftskritisch-problemorientierten Chemieunterricht [3] beschrieben, geht es weniger um das Prüfen von Fakten in Medien. Es geht vielmehr darum, über das Nachvollziehen von authentischen Praktiken der Informationsweitergabe zu erkennen, wie Beiträge über die Chemie in den Medien bzw. im Alltag zustande kommen [2]. Dies können Aktivitäten sein, wie das Erstellen von potentiellen Beiträgen für eher konventionelle Medien (z.B. Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen oder Werbung) [2]. In einer sich ständig ändernden Medienlandschaft sollte man dabei auch neuere Medien nicht aus den Augen verlieren (z.B. Internet-Portale, Blogs, Foren, Facebook, Twitter und andere Social Media). Das bereits u.a. in [2] diskutierte Modell der gefilterten Information (Abb.1) kann helfen, mit den Schülerinnen und Schülern über das Zustandekommen von chemiebezogener Kommunikation in der Öffentlichkeit zu reflektieren. Anhand verschiedener Beispiele wird in diesem Artikel beschrieben, wie das Modell im Unterricht eingesetzt werden kann.
Arbeiten wie ein Journalist
Die...

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