7. – 13. Schuljahr

Rosalie Heinen, Cora-Su di Berardo, Susanne Heinicke

Sketchnotes im Chemieunterricht

Von großen Konferenzen wie der re:publica sind sie nicht mehr wegzudenken. Auf TED-Talks und vielen wissenschaftlichen Veranstaltungen werden sie längst genutzt, um Inhalte anschaulich zu präsentieren. Die Rede ist von Sketchnotes: visuellen Notizen.
Sketchnotes sind wahre Alleskönner
Große Tafeln voller Zeichnungen (Sketches) und Notizen (Notes) versetzen den Zuschauer nicht nur in großes Staunen sie können auch das Verständnis unterstützen. Sketchnotes sind richtige Alleskönner: nicht nur ein ästhetischer Hingucker, sondern absolute Lernunterstützer.
Mehr Gekritzel im Unterricht
Den didaktischen Mehrwert von Sketchnotes erkennt auch die Pädagogik. So wurde kürzlich das Buch „Sketchnotes in der Schule [1] veröffentlicht. Hier finden sich erste Schritte für die Verwendung von Sketchnotes im schulischen Kontext. Auch wir sind große Fans der Technik und wollen unseren Lesern kurz und bündig aufzeigen, worauf es bei der Lernkritzelei im Chemieunterricht ankommt.
Dieser Artikel beabsichtigt nicht, die ganze Welt der Sketchnotes zu vermitteln. Es soll vielmehr ein Einblick geschaffen werden, wie diese Methode für den schulischen Unterricht genutzt werden kann und welche didaktischen Potenziale für den Chemieunterricht dabei zum Vorschein kommen.
Zuhören, Zeichnen, Lernen
Sketchnotes unterscheiden sich von herkömmlichen Notizen, indem sie Inhalte durch den gleichzeitigen Einsatz von Text, Bild und Struktur mehrdimensional verbinden (Abb.1 ). Anstelle von linearem Mitschreiben können so die wichtigsten Informationen herausgefiltert, strukturiert und mit Zeichnungen verschönert werden. Die Idee ist nicht neu: Bereits in den 70er-Jahren belegt die Dual-Coding-Theory, dass die gleichzeitige Aktivierung verschiedener Kanäle wie Schreiben, Zeichnen, Zuhören und Sehen das visuelle Denken unterstützt und die Aufmerksamkeit steigert. Informationen werden so schneller und nachhaltiger verinnerlicht.
Bitte keine Perfektion!
Bei Sketchnotes geht es nicht um Ästhetik, sondern um effektives Handwerkszeug. Ein Hauch von Imperfektion kann hier sogar Stilpunkte sammeln (Abb.2 ). Die wirkliche Kunst besteht darin, die wichtigsten Informationen zu filtern und somit das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen.
Holt Sketchnotes in die Schule!
Die Technik ist aufgrund ihrer Flexibilität vielseitig verwendbar und bietet viele Möglichkeiten, Sketchnotes im Unterricht einzusetzen, beispielsweise
  • zur Gestaltung von Arbeitsblättern, Tafelbildern und Plakaten,
  • als Methode für Schülerinnen und Schüler und
  • zur eigenen Unterrichtsplanung.
Kann ich das auch?
Ein großer Vorteil von Sketchnotes ist, dass für die Umsetzung keine besonderen Materialien gebraucht werden. Stift und Papier sind völlig ausreichend, um sofort loszulegen. Besonders geeignet sind Bleistifte, Buntstifte, Filzstifte, Fineliner oder Pinselstifte (Abb.3 ).
Tipps für den Farbeinsatz:
  • Nutzen Sie helle Farben, um die Lesbarkeit nicht zu beeinträchtigen.
  • Nutzen Sie gleiche Farben für gleichen Inhalt.
  • Nutzen Sie nicht zu viele Farben (ca. 2 – 3).
  • Benachbarte Farbtöne wirken harmonisch und einheitlich.
  • Kontrastierende Farbtöne stellen Gegensätze dar.
Mini-Workshop
Große Effekte durch kleine Handgriffe. In fünf Schritten zeigen wir Ihnen, wie aus Ihren Notizen kleine Kunstwerke mit Lerneffekt werden: Auf die Stifte, fertig, los!
1. Textliche Kerninhalte strukturiert aufs Papier bringen
Beim Betrachten von Sketchnotes stechen vor allem die Visualisierungen hervor. Jedoch sind diese alleinstehend nicht in der Lage, einen Themenkomplex in all seinen Zusammenhängen verständlich wiederzugeben. Deshalb ist Regel 1 bei der Anfertigung von Sketchnotes: Zuerst der Text! Durch kleine Tricks kann der Einsatz von Schrift dazu dienen, Hierarchien aufzuzeigen (Überschriften, Zwischenüberschriften) oder wichtige Informationen hervorzuheben (bunt, eingerahmt, unterstrichen oder größer...

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