10. – 12. Schuljahr

So sehe ich das!

Fachkonzepte mit Erklärfilmen entwickeln

Christopher Müller und Stefanie Will
Ein professioneller und effektiver Chemieunterricht ist geprägt von einer aktiven Auseinandersetzung mit Schülervorstellungen und dem sensiblen Umgang mit Fachsprache. Beide Elemente sind essentiell für den Zugang und Erfolg im Fachunterricht. Eingebettet sind diese fachspezifischen Aspekte in eine konstruktivistische Sichtweise, die den Lernenden zum alleinigen Konstrukteur seiner kognitiven Struktur und auch der Wissensänderungen erhebt. Damit wächst die Bedeutung von Eigenaktivität und Selbstorganisation im Lernprozess deutlich [1; 2, S.140].
Eine gewinnbringende und abwechslungsreiche Lernvariante, mit der sich die genannten Elemente eines erfolgsversprechenden Chemieunterrichts verbinden lassen, ist die Produktion eigener Filme. Hiermit lässt sich zum einen auch das fachübergreifende Ziel der Medienbildung [3] verfolgen und zum anderen lassen sich fachübergreifende Aspekte wie Datenschutz und Urheberrecht thematisieren. Damit verfolgt dieses Konzept auch den Ansatz des ganzheitlich beanspruchenden und schüleraktivierenden handlungsorientierten Unterrichts, an dessen Ende ein Handlungsprodukt steht, das erarbeitet, ausgewertet und ggf. veröffentlicht werden kann.
Didaktische Funktion der Erstellung von Erklärvideos
Erstellen die Schülerinnen und Schüler nun eigene Filme zu chemischen Sachverhalten, bewegt man sich klassischerweise im Bereich der Wiederholung und Sicherung von Lerninhalten, obgleich auch eine materialgestützte Erarbeitung möglich ist. In diesem Fall haben die Lernenden erste Schritte hin zu einer passenden Vorstellung und einem angemessenen Einsatz der Fachsprache gemacht. Somit kann im Wesentlichen von einer sogenannten labilen Schülervorstellung, die bereits Überschneidungen zwischen vormaligen Präkonzepten und der fachwissenschaftlichen Vorstellung beinhaltet, ausgegangen werden [4]. Die zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Schülervorstellungen lassen sich durch die Konzeption und Umsetzung von kurzen Filmen erfassen. Sofern die Rahmenbedingungen, also die filmtechnische, die modellhafte und letztlich auch die narrative Umsetzung möglichst frei sind, werden die Schülerinnen und Schüler ein vergleichsweise differenziertes Bild ihrer Vorstellungen sowie Kenntnisse beim Einsatz der Fachsprache erzeugen.
Bei der Konzeption des Kurzfilms müssen Schülerinnen und Schüler innerhalb ihrer Gruppe eine gemeinsame Vorstellung aushandeln. Hier werden sie Teile ihrer eigenen Vorstellungen einbringen und sich mit denen ihrer Partner auseinandersetzen. Im Vergleich zur aktiven Auseinandersetzung mit Skizzen und Abbildungen wird die Filmvariante ohne unmittelbare bildliche Vorgaben näher an den Ideen der Schülerinnen und Schüler sein. Durch das Angebot diverser Modelle und Materialien lassen sich die Lernenden zu einem Prozess bewegen, bei dem sie die Passung der Materialien zu ihrer Vorstellung abwägen. Innerhalb dieses ergebnisoffenen Prozesses entsteht stellenweise ein erneuter Abgleich des aktuellen Stands mit der fachwissenschaftlichen Vorstellung. Da es sich bei der Umsetzung häufig um Bewegtbilder handelt, entstehen neue Fragen, die mit den eigenen Vorstellungen abgeglichen werden müssen.
Beispiele:
Reaktion von Schwefelsäure mit Wasser: Werden vom Schwefelsäuremolekül nur ein Proton, beide Protonen gleichzeitig oder beide Protonen nacheinander abgegeben? Und sollen entsprechend ein Wassermolekül oder zwei Wassermoleküle bei der Protonenabgabe bereits sichtbar sein? Und wann werden die so entstehenden Ladungen sichtbar? Darf zu einem bestimmten Zeitpunkt ein H+-Teilchen zu sehen sein?
Elektrophile Addition von Brom an Ethen: Zwischen dem Schritt der Polarisierung des Brom-Moleküls und der Bildung des Bromonium-Kations erfolgt eine Umverteilung von Elektronen (Abb.1a,b,c,d ). Die Umsetzung in Form eines Stop-Motion-Films, bei dem das typische Valenzstrichformel-Modell...

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