11. – 13. Schuljahr

Jutta Lumer und Petra Wlotzka

Text- und Bildsprache verstehen

Den Fachsprachenerwerb mit Text-Bild-Kombinationen unterstützen

Im naturwissenschaftlichen Unterricht werden häufig komplexe Sachverhalte kurz, prägnant und übersichtlich in Abbildungen (z.B. in Bildern, Graphiken oder Diagrammen) dargestellt [1]. Im Chemieunterricht sind das u.a. Darstellungen von Prozessabläufen auf makroskopischer Ebene wie z.B. Herstellungsverfahren von Grundchemikalien (z.B. Kontaktverfahren, Chloralkalielektrolyse) oder Prozessabläufen auf Teilchenebene wie z.B. Lade- und Entladevorgänge in Akkumulatoren oder Reaktionsabläufe beim Rosten.
Es handelt sich dabei in der Regel um eine Folge komplexer Vorgänge. Diese werden daher in den Schulbüchern durchgängig in einer Kombination aus Informationstext und ergänzendem(n) Bild(ern) dargeboten, sicher mit dem Ziel, die Vorgänge für die Schülerinnen und Schüler im Detail besser nachvollziehbar zu machen. Das Erschließen der Informationen aus solchen Text-Bild-Kombinationen stellt sie allerdings vor eine große Aufgabe, denn es erfordert Kompetenzen sowohl im Umgang mit dem schriftlichen Material (verbale Lesefähigkeit) als auch mit den Bildern (piktorale Lesefähigkeit) [2]. Viele Darstellungen in den Schulbüchern fordern dabei die piktorale Lesefähigkeit in besonderer Weise, da die makroskopische und die Teilchenebene parallel dargestellt sind, z.B. Der Kreislauf des Stickstoffs (Abb.1 ).
Hinzu kommt, dass bestimmte Gestaltungsmerkmale von Text-Bild-Kombinationen das informationenvergleichende Lesen erschweren, wie z.B. die Verwendung verschiedener Termini in Bild und Text oder eine weite räumliche Entfernung zwischen Text und Bild, weil dann der Blick zwischen zwei Orten hin- und her wandern muss (vgl. Abb.1). All das belastet das Arbeitsgedächtnis unnötig, welches für das Verstehen von Texten mit Bildern von zentraler Bedeutung ist [3].
Als Konsequenz dieser komplexen Anforderungen lässt sich in der Unterrichtspraxis häufig beobachten, dass Schülerinnen und Schüler die Bilder z.B. gänzlich ignorieren oder nur auffälligen Oberflächenmerkmalen ihre Aufmerksamkeit schenken. Missverständnisse und Fehlvorstellungen sind die Folge und das lernförderliche Potenzial von Text-Bild-Kombinationen bleibt ungenutzt. Viele Studien haben zwar gezeigt, „dass die Präsentation von Lerninhalten durch Texte und ergänzende Abbildungen meist zu besseren Lernleistungen führt [3, S. 35], allerdings nur dann, wenn die Informationen aus beiden Informationsträgern konsequent abgeglichen und aufeinander bezogen werden (können).
Schon die oben genannte exemplarische Themenauswahl, bei der in den Schulbüchern Text-Bild-Kombinationen zum Einsatz kommen, macht aber deutlich, dass sehr unterschiedliche Kombinationen mit z.T. komplex gestalteten Abbildungen Anwendung finden. Sie werden damit selbst zum Lerngegenstand, was allerdings im Unterrichtsalltag allzu häufig übersehen wird. Gerade deshalb müssen auch in der Oberstufe die notwendigen Strategien zum Erschließen der Informationen aus solchen Kombinationen mit entsprechend didaktisierten Texten trainiert, wenn nicht zum Teil sogar neu erworben werden.
Maßnahmen zur Unterstützung des Lesens von Text-Bild-Kombinationen
Basierend auf der Kognitiven Theorie des Multimedialen Lernens [4] haben Mayer und seine Mitarbeiter Gestaltungsprinzipien beschrieben (vgl. Tab.1 ), die helfen können, ungünstige Gestaltungsmerkmale zu reduzieren [5, 6]. Die vorliegenden Materialien sind daher didaktisch so aufbereitet worden, dass erstens die verwendeten Schulbuchtexte dementsprechend für die Schülerinnen und Schüler umgestaltet wurden (Material2A ) bzw. eine von den Schülerinnen und Schülern selber zu leistende Umgestaltung vorbereitet wurde (Material1A ). Zweitens werden die Schülerinnen und Schüler durch Text-Erschließungsfragen, die Lesestrategien einfordern (s. Tab.2 und Material1B und 2B ), Schritt für Schritt zu einer intensiven...

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