5. – 13. Schuljahr

Nina Ulrich

Kooperatives und kollaboratives Arbeiten

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der Einsatz digitaler Medien zwangsläufig dazu führt, dass jeder Schüler und jede Schülerin isoliert vor sich hin arbeitet. In Doebeli Honeggers Sammlung der Argumente gegen die Digitalisierung an Schulen ist dies das Vereinsamungsargument [1].
Aber was ist dran an diesem Argument? Und bedeutet Kooperation und Kollaboration mit digitalen Medien das Gleiche wie ohne digitale Medien?
Hierfür muss zunächst differenziert werden, was man unter den beiden Begriffen verstehen kann. Kooperatives Arbeiten beschreibt eine arbeitsteilige Aufgabenteilung, bei der gegenseitige Abhängigkeiten entstehen. In der Regel erfolgt eine individuelle Erarbeitung, gefolgt von einem gemeinsamen Austausch der Ergebnisse. Arbeiten hingegen alle gemeinsam an der gleichen Aufgabe und stehen hierfür auch in einem ständigen Austausch, handelt es sich um eine kollaborative Arbeit. Ergänzend hierzu kann noch die kollektive Arbeit erwähnt werden, bei der zwar alle die gleiche Aufgabe bearbeiten, aber die Ergebnisse erst am Ende zusammengetragen werden [2].
Die Begriffe werden allerdings oft nicht trennscharf verwendet [3]. Hinzu kommt, dass die digitalen Medien neue Möglichkeiten schaffen, was die zeitliche und räumliche Zusammenarbeit betrifft:
Zeitliche Perspektive der Zusammenarbeit
In der zeitlichen Perspektive kann zwischen der synchronen und asynchronen Zusammenarbeit unterschieden werden. In der synchronen Zusammenarbeit ermöglichen die digitalen Medien, dass in Echtzeit die Ergebnisse aller Gruppenmitglieder ausgetauscht werden können, sodass alle Zugriff auf die erarbeiteten Ergebnisse haben und diese bei Bedarf nutzen können (vgl. Abb.1 ). Auch die Lehrkraft hat hierdurch die Möglichkeit, einen Überblick über den Ergebnisstand aller Gruppen zu bekommen, ohne dabei die Dynamik der Gruppenarbeit stören zu müssen. M. Trockel erläutert anhand von Padlets, wie die Ergebnisse mithilfe einer digitalen Pinnwand gesichert und ausgetauscht werden können.
Auch die asynchrone Arbeit kann durch digitale Werkzeuge verändert werden, da zu jeder Zeit der aktuelle Ergebnisstand für die Weiterarbeit genutzt werden kann, ohne dass zuvor ein Termin für den Austausch der Ergebnisse vereinbart werden muss. Im Hinblick auf das kooperative Arbeiten bedeutet dies, dass es nun auch möglich ist, bereits während des Prozesses auf die Ergebnisse der anderen zuzugreifen und diese für die eigene Arbeit zu nutzen. Dies ist besonders dann hilfreich, wenn eine Erarbeitung über einen längeren Zeitraum erfolgt. Wie eine längerfristige kooperative Arbeit mithilfe von digitalen Werkzeugen unterstützt werden kann, zeigt Unger am Beispiel eines arbeitsteilig erstellten Portfolios.
Beim kollaborativen Arbeiten ermöglichen die digitalen Medien eine asynchrone Zusammenarbeit, indem zeitlich versetzt an einer gemeinsamen Aufgabe gearbeitet und kommuniziert werden kann.
Räumliche Perspektive der Zusammenarbeit
In Bezug auf den Raum erweitern die digitalen Werkzeuge die Möglichkeiten der Zusammenarbeit auch außerhalb der Schule. Dies zeigt sich im Alltag, wenn Schülerinnen und Schüler gemeinsam außerhalb des Unterrichts ein Referat vorbereiten müssen oder an verschiedenen Orten Messergebnisse aufnehmen und dokumentieren sollen. Dies zeigt sich aber auch in besonderen Situationen, wie der Schulschließung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, wo digitale Werkzeuge eine Zusammenarbeit ermöglicht haben. Die Werkzeuge unterstützen dabei den Austausch von Ergebnissen, die Zusammenarbeit und die Kommunikation, unabhängig vom Aufenthaltsort der Schülerinnen und Schüler sofern Internet und ein digitales Endgerät zur Verfügung stehen.
Die kooperative oder kollaborative Arbeit mit digitalen Werkzeugen ist jedoch nicht zwingend mit einer 1:1-Ausstattung verknüpft. Insbesondere bei der synchronen Arbeit am gleichen Ort kann es je nach Aufgabenstellung reichen, wenn pro...

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